„Notwendige Schritte diskutieren und gemeinsam angehen“

Die Forschung läuft auf Hochtouren, die Wirtschaft sieht die Chancen, die Politik schafft die nötigen Rahmenbedingungen: Jetzt ist der Zeitpunkt, den Hoffnungsträger Wasserstoff zum Garanten für eine erfolgreiche Klimawende zu machen.
Mit dem HYDROGEN DIALOGUE soll Nürnberg zur Wasserstoffhauptstadt werden. Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm, CEO der NürnbergMesse, Dr. Roland Fleck, und Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Vorstand Zentrum Wasserstoff.Bayern, (v.l.) hatten die bayerische Wasserstoffstrategie bereits im Messezentrum präsentiert. Foto: H2.B / Giulia Iannicelli

Die Gründung des „Zentrum Wasserstoff.Bayern“ (H2.B) im vergangenen Jahr war ein Katalysator: Die Wasserstoff-Gemeinschaft im Freistaat wächst zusammen. Zur Gründung des „Wasserstoffbündnis Bayern“ unterzeichneten zentrale Akteure einer zukünftigen bayerischen Wasserstoffwirtschaft – mit Vertretern aus Industrie und Forschung – eine Absichtserklärung zur Stärkung und zum Ausbau der Technologiekompetenz Bayerns in diesem Bereich. Und beim „HYDROGEN DIALOGUE & NUEdialog“ am 18. November im Messezentrum Nürnberg sind sie dann erstmals gemeinsam vor Ort: die relevanten Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Wasserstoffwirtschaft. Wichtige Forschung – die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg (HI ERN), die Fraunhofer Gesellschaft, die Hochschule Ansbach – ist in der Region ebenso zu Hause wie die relevante Industrie – Siemens, Bosch, Schaeffler, Linde, um nur einige zu nennen. Und die NürnbergMesse bietet für die Wasserstoff-Gemeinschaft die richtige Plattform, um den Gesamtkreislauf in Gang zu bringen.

Erzeugung, Transport, Nutzung – dem Klimawandel geschuldet, wird „grüner“ Wasserstoff ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen sein. Dieser wird ausschließlich aus erneuerbaren Energien, also Strom aus Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik oder Geothermie, erzeugt. „Der ,grüne‘ Wasserstoff ist ein Schlüsselrohstoff für eine erfolgreiche Energiewende.“ Mit diesen Worten präsentierte Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Juni die Nationale Wasserstoffstrategie. Deutschland will neun Milliarden Euro in die Umsetzung dieser Strategie investieren, unter anderem in Produktionsanlagen und Infrastruktur.

Rückenwind aus Europa

Auch auf europäischer Ebene wird mit dem „Green Deal“ Wasserstoff forciert. Mit der „European Clean Hydrogen Alliance“ soll eine Allianz aus Kommission, Regierungen und Industrieunternehmen dafür sorgen, dass die EU bis 2050 klimaneutral ist. 400 Milliarden Euro sind veranschlagt. Wasserstoff ist in der EU-Diktion ein „wichtiger Energieträger“.

Erfreut über diese Entwicklung zeigt sich in Bayern Prof. Dr. Veronika Grimm. Sie ist Vorständin des H2.B und Mitglied im Nationalen Wasserstoffrat, leitet seit 2008 den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ist seit 2017 Vorsitzende der Wissenschaftlichen Leitung des Energie Campus Nürnberg. Für sie sind die fast gleichzeitig vorgelegten Strategien von Bund, Ländern und EU ein Glücksfall: „Entscheidend wird aber das Ineinandergreifen der Aktivitäten auf sämtlichen Ebenen sein. Dazu werden wir unseren Teil beitragen.“

Ihren Teil beitragen – das machen innovatives Unternehmertum und die Forschung bereits. Heute schon fahren weltweit die ersten PKW und Busse mit Wasserstoffantrieb, werden Wasserstoffzüge getestet, ganze Stadtteile über Wasserstoff und Wärme versorgt und alternative Transportmöglichkeiten für das Gas entwickelt. Im niederländischen Eemshaven entsteht gerade ein Windpark – Europas derzeit größtes Projekt für „grünen“ Wasserstoff. Eine Gruppe von elf Fernleitungsnetzbetreibern aus neun EU-Staaten hat kürzlich ein Konzept für eine zukünftige Wasserstofftransport-Infrastruktur vorgestellt – eine Art Wasserstoff-Autobahn, die so genannte „Hydrogen Valleys“ in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Tschechien, Dänemark, Schweden und der Schweiz verbinden soll. Bis 2030 mit einer Länge von 6.800 Kilometern, 2040 soll das Netz eine Länge von 23.000 Kilometern haben. Zum Großteil werden dazu bestehende Erdgas-Pipelines umgewidmet.

Industriepolitische Chance zum Ergreifen

„Jetzt wird es darauf ankommen, die weiterhin notwendigen, intensiven Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit Tempo auch in die Anwendung zu bringen“, sagt Prof. Dr. Peter Wasserscheid. Seit 2003 leitet er den Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, seit 2014 ist er Direktor am Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energie (HI ERN) und teilt sich mit Veronika Grimm den Vorstand von H2.B.

Für Grimm ist die große industriepolitische Chance rund um den „grünen“ Wasserstoff zum Ergreifen: „Wenn wir das wirklich wollen, dann müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden und es braucht Märkte, damit attraktive ,business cases‘ entlang der Wertschöpfungskette entstehen.“

Verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen Partnern der Wasserstoff-Gemeinschaft ist naturgemäß der Dialog – in diesem Fall der „HYDROGEN DIALOGUE“. Benedikt Weyerer, Veranstaltungsleiter bei der NürnbergMesse und im Veranstaltungs-Team, weiß: „Für einen erfolgreichen Markthochlauf von Wasserstoff müssen noch viele Fragen beantwortet und die richtigen Rahmenbedingungen und Strategie festgelegt werden. Dafür braucht es diese Plattform.“

Wasserstoff-Gemeinschaft im Dialog

Bei der Premiere des „HYDROGEN DIALOGUE – Summit & Expo“ am 18. November geben Experten entlang der gesamten Wertschöpfungskette Antworten auf diese Fragen. Der Fokus wird dabei auf den Themen Erzeugung, Logistik und Nutzung von Wasserstoff liegen, nationale und internationale Strategien sollen beleuchtet und Einblicke in die globale Wasserstoffwirtschaft gegeben werden. Die begleitende Fachausstellung macht anschaulich, was heute schon an Technologien möglich ist.

Benedikt Weyerer weiß um das Potenzial der Plattform: „Mit dem ,HYDROGEN DIALOGUE‘ haben wir in Zusammenarbeit mit der Wasserstoff-Gemeinschaft ein Veranstaltungsangebot geschaffen, das entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasserstoff die Experten und Entscheider aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Nürnberg und online zusammenführt.“ Für Veronika Grimm ist dieses Zusammentreffen ein wichtiger Baustein, um das Potenzial von Wasserstoff in Deutschland auszuschöpfen zu können: „Die Wasserstoff-Gemeinschaft ist hier in Nürnberg, um notwendige Schritte zu diskutieren und gemeinsam anzugehen.“

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