„Jetzt geeignete Rahmenbedingungen für den Markthochlauf von Wasserstoff schaffen!“

Der neu gegründete Wirtschaftsverband en2x unterstützt und begleitet die Transformation von heute weitgehend fossilen Energieträgern zu treibhausgasneutralen Produkten der Zukunft. Im Interview spricht Hauptgeschäftsführer Adrian Willig über das Engagement der Mitgliedsunternehmen im Wasserstoffbereich, das Infrastrukturprojekt „HyPipe Bavaria / H2-Cluster Ingolstadt“ und die notwendige Debatte auf allen Ebenen.
Adrian Willig, Hauptgeschäftsführer en2x; Copyright: Sebastian Engels

Herr Willig, Sie sind Hauptgeschäftsführer des neu gegründeten Wirtschaftsverbandes en2x. Was verbirgt sich hinter dem Kürzel und wen vertreten Sie?

Der Name en2x ist abgeleitet von „energy to x“ und beschreibt die Transformation von heute weitgehend fossilen Energieträgern zu treibhausgasneutralen Produkten in der Zukunft. Denn das ist unser Anliegen. Unsere Mitgliedsunternehmen kommen aus der derzeitigen Mineralölwirtschaft und sichern hierzulande einen Großteil der Energieversorgung für Mobilität und Wärme. Zudem liefern sie erhebliche Mengen an chemischen Grundprodukten. Für eine treibhausgasneutrale Zukunft ist jetzt ein umfassender Wandel notwendig. Diese Transformation wollen wir als Verband unterstützen und begleiten.

Beim Hydrogen Dialogue wird en2x in einer eigenen Session berichten, wie die heutige Mineralölbranche durch ihre Transformation zum Erreichen der Klimaziele beitragen kann. Wollen Sie vorab für uns dieses Thema kurz anreißen?

Unsere Branche kann mit einer Vielfalt an erneuerbaren Energien, alternativen Fuels und Rohstoffen, Technologien und Innovationen wesentliche Schlüsselbeiträge liefern. In Sachen Klimaschutz führen viele Lösungen zum Ziel. Im Wasserstoffbereich engagieren sich unsere Mitgliedsunternehmen schon stark. Das reicht von der Herstellung in Raffinerien über Anwendungen in der Industrie bis hin zum Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes. Wichtig ist, dass der Wasserstoff auch technologieoffen genutzt werden kann, also keine Anwendung von vorneherein ausgeschlossen wird. Denn alternative Kraftstoffe werden – neben erneuerbarem Strom und Wasserstoff – ebenfalls benötigt, um die Klimaziele zu erreichen. Im Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr sind sie unbedingt notwendig.

Nicht nur Klimaaktivisten fordern – auch wegen des Krieges in der Ukraine – das Geschäft mit fossilen Kraft- und Brennstoffen sofort einzustellen. Ist das überhaupt möglich?

Die Mineralölgesellschaften hierzulande haben sofort nach Kriegsbeginn auf eigene Initiative angekündigt, ihre Importe an russischem Rohöl und auch an Produkten wie Diesel zurückzufahren. Unsere Mitglieder unterstützen auch das Ölembargo gegen Russland, gleichwohl es erhebliche Herausforderungen mit sich bringt, zum Beispiel in der Logistik. Wir gehen auch davon aus, dass die aktuellen Entwicklungen einen großen und nachhaltigen Einfluss auf die Energieversorgung der Zukunft nehmen werden. Ziel muss sein, unsere Energieversorgung künftig auf eine breitere Basis zu stellen und dabei immer mehr auf treibhausgasneutrale Energie zu setzen. Doch eine kurzfristige komplette Umstellung ist schlicht nicht möglich. Dafür fehlen die Alternativen. Das geht nur schrittweise.

Die aktuelle Situation zeigt auch, wie wichtig es ist, Klimaschutz und Versorgungssicherheit durch eine Vielfalt CO2-neutraler Produkte noch stärker zu verknüpfen. Eine solche Vielfalt verbessert grundsätzlich die Flexibilität und Resilienz unserer Energieversorgung auf dem Weg zum Erreichen der Klimaziele. Neben der verstärkten erneuerbaren Stromerzeugung benötigen wir darum auch „grüne Moleküle“. Dafür werden mittelfristig vor allem der massive Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland, der Hochlauf einer internationalen Wasserstoffwirtschaft und eine diversere Beschaffungsstruktur bedeutsam sein. Hierbei werden die en2x-Mitgliedsunternehmen eine treibende Rolle spielen.

Bei Ihrer Mission setzen sie ganz stark auch auf Dialog. Welche Debatte soll angestoßen werden und mit wem wird dieser Dialog geführt?

Im Hinblick auf die Klimaziele besteht mittlerweile doch ein großer Konsens. Auch die Mineralölwirtschaft in Deutschland will entscheidende Beiträge zur Erreichung der Ziele leisten. Entscheidend wird sein, wie wir dieses ambitionierte Ziel auch erreichen können. Mit Politik, NGOs, Wirtschaft und Verbrauchern diskutieren wir die entsprechenden, jetzt einzuschlagenden Wege. Es ist zum Beispiel richtig und wichtig, den Markthochlauf von Wasserstoff und seinen Folgeprodukten anzuschieben. Voraussetzung dafür ist jedoch ein sicheres Investitionsumfeld. Wie können wir das erreichen? Wie sollten Regeln gestaltet werden, damit Unternehmen Investitionen starten können? Welche Maßnahmen sollten jetzt vorangetrieben werden? Das muss diskutiert werden, damit dann auch endlich gehandelt werden kann.

            
Übersichtsgrafik Aktivitäten des en2x, Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V.

Unter dem Titel „Raffinerien – Wasserstoff als Treiber CO2 freier Technologien“ stellt en2x gemeinsam mit Partnern aus dem Mitgliederbereich „HyPipe Bavaria: Wasserstoffcluster Ingolstadt“ vor. Was sind die Ambitionen dieses Projektes?

Unter dem Projektnamen „HyPipe Bavaria / H2-Cluster Ingolstadt“ plant ein Konsortium den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur im Großraum Ingolstadt. Diese soll die Versorgung der beteiligten Industriestandorte und der Region mit Wasserstoff sicherstellen. Darüber hinaus ist mit Audi ein wichtiger potenzieller Nutzer mit an Bord. Auch die Raffinerien von Bayernoil und Gunvor können nachhaltigen Wasserstoff bereits in naher Zukunft einsetzen und würden so die Dekarbonisierung ihrer Produktionsprozesse vorantreiben. Darüber hinaus sind noch weitere Anwendungen im Gewerbe, Transport sowie die Wärmeversorgung von Unternehmen und privaten Haushalten über die Netze der beteiligten Netzbetreiber denkbar. Der Wasserstoff könnte über das zukünftige Wasserstofftransportnetz überregional bezogen, teilweise auch regional erzeugt und verteilt werden.

Das Projekt zeigt, wie der Wandel von der fossilen zur erneuerbaren, klimaschonenden Energieversorgung ganz konkret umgesetzt werden kann. Dabei zeigt sich zum Beispiel auch, wie wichtig es ist, eine nationale und internationale Wasserstoffpipeline-Infrastruktur auszubauen, an die solche Cluster dann angebunden werden. Zugleich wird deutlich, dass die politisch gesetzten Rahmenbedingungen noch Verbesserungsbedarf aufweisen. Um beim Markthochlauf von klimaschonendem Wasserstoff voranzukommen, ist ein sicheres Investitionsumfeld unverzichtbar. Wir brauchen klare und verlässliche Regeln, damit Unternehmen ihre geplanten und zum Teil bereits projektierten Investitionen in den Bau von Anlagen zur Wasserstoffelektrolyse oder Kraftstoffproduktion endlich starten können. Hier besteht noch Handlungsbedarf seitens der Gesetzgebenden.

Welchen Wert messen Sie dem Hydrogen Dialogue bei und was wollen Sie aus Nürnberg mitnehmen?

Wie schon erwähnt, ist aus unserer Sicht der Dialog ein wichtiger Schlüssel, um beim Klimaschutz voranzukommen. In Anbetracht der großen Herausforderungen brauchen wir mehr Miteinander, weniger Gegeneinander. Unser Verband ist das erste Mal mit dabei und wir freuen uns auf ein spannendes Vortragsprogramm und gute, konstruktive Gespräche, die diesen Zielen gerecht werden.

Vielen Dank für das Interview


Veranstaltungstipp

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