„Eine klare Botschaft an Politik und Öffentlichkeit“

Siemens Energy testet bereits in mehreren Ländern die industrielle Anwendung von „grünem“ Wasserstoff. Im Interview spricht Prof. Dr. Armin Schnettler, CEO New Energy Business, über die neue Produktlinie Silyzer 300, die Projekte in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Dubai, sowie den Stellenwert des „HYDROGEN DIALOGUE & NUEdialog“, um das Thema Wasserstoff voranzubringen.
Interview HYDROGEN DIALOGUE & NUEdialog mit Prof. Dr. Armin Schnettler

Siemens Energy ist Mitglied des Wasserstoffbündnis Bayern. Wie stark ist dieses Bündnis für den notwendigen Wandel der Energieversorgung?

Prof. Schnettler: Das Wasserstoffbündnis zeigt, wie Bayern und seine Unternehmen sehr stark an den notwendigen Änderungen einer zukünftigen Energie- und Rohstoffversorgung arbeiten. Die Verabschiedung der Wasserstoffstrategie und die Erarbeitung einer Roadmap zur Umsetzung dieser Strategie sind wesentliche Bestandteile, um auch in Bayern grünen Wasserstoff aus Elektrolyse zu erzeugen – die Projekte im oberfränkischen Wunsiedel sowie in Haßfurt sind ist hier Schritte in die richtige Richtung.

Mit seiner Produktlinie Silyzer 300 setzt Siemens bei der PEM-Elektrolyse als eine der Wasserstoff-Schlüsselkomponenten Maßstäbe für eine nachhaltige Wasserstofferzeugung. Was kann man sich darunter vorstellen?

Prof. Schnettler: PEM bedeutet proton exchange membrane. Die Besonderheiten: Die Membran ist durchlässig für Protonen aber nicht für Gase wie Wasserstoff oder Sauerstoff. Sie hat eine Separator-Funktion und trennt die beiden Gase. Im Vergleich zur alkalischen Elektrolyse ist die PEM-Technologie sehr dynamisch und somit perfekt für Strom aus erneuerbaren Energien geeignet. Der Silyzer 300 ist das neueste Produkt aus unserem PEM-Elektrolyse-Portfolio „Modulares Design für großskalige industrielle Elektrolyse-Anlagen mit hoher Effizienz und Verfügbarkeit“.

Bis 2030 erwarten wir ein Wachstum der Wasserstoffnutzung um etwa 20 Millionen Tonnen jährlich. Dieses sollte zu einem großen Anteil aus „grünem“ Wasserstoff bestehen. Daher ist die Skalierung der Wasserstofferzeugung auf ein industrielles Niveau in der Leistungsklasse von 100 Megawatt oder sogar über ein Gigawatt notwendig.

Siemens Energy skaliert die Leistungsklasse des Portfolios alle vier bis fünf Jahre etwa um den Faktor zehn. Aktuell sind Anlagen der 10 Megawatt-Klasse im Feld und wir entwickeln gerade Anlagen für über 100 Megawatt Leistung. Wir sind stolz darauf, dass Siemens Energy dabei die komplette Wertschöpfungskette für eine „grüne“ Strom- und Wasserstoffversorgung beherrscht.

Power-to-X Sektorkopplung. Foto: Siemens Energy

Power-to-X Sektorkopplung. Foto: Siemens Energy

Stichwort „grüner“ Wasserstoff. Im österreichischen Linz ist die derzeit weltgrößte Pilotanlage zur CO2-freien Herstellung von „grünem“ Wasserstoff in Betrieb. Siemens ist Teil des Projekts. Welche Ziele werden da verfolgt?

Prof. Schnettler: Wir fokussieren dabei auf die industrielle Anwendung der Wasserstoffelektrolyse in einem Stahlwerk und die Nutzung der PEM Elektrolyse für Energiedienstleistungen. Erprobt werden sollen verschiedene Anwendungsfälle (Dauerbetrieb, wechselnder Betrieb strompreisgeführt bzw. lastgeführt bezogen auf den Bedarf eines Stahlwerkes) und später dann ein quasi-kommerzieller Betrieb.

Wo ist Siemens Energy sonst noch am Start?

Prof. Schnettler: Ein in der Umsetzung befindliches Projekt ist zum Beispiel das „Green Hydrogen-Project“ in Dubai, das Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen wird. Dort ist das Ziel eine Speicherung und Re-Elektrifizierung von Sonnenenergie – gemäß dem Motto „let the sun shine at night“. Ganz aktuell ist auch die am 4. September erfolgte Grundsteinlegung in der Schweizer Gemeinde Dietikon: Es handelt sich dort um die erste industrielle „Power-to-Gas“-Anlage der Schweiz, mit einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt. Hier dient Wasserstoff in Kombination mit CO2 aus der Kläranlage als Basis für die Herstellung von Methan, das in das Erdgasnetz eingespeist werden soll.

Da ist schon einiges im Gange. Doch die Öffentlichkeit bekommt noch relativ wenig davon mit. Was wollen oder können Sie, auch in Ihrer Funktion als VDE-Präsident, tun, um die Akzeptanz der Wasserstoffwirtschaft zu erhöhen?

Prof. Schnettler: Der VDE hat in mehreren Bereichen Expertise. Er kümmert sich führend um Standards und Normen, die für den Aspekt der Sicherheit bei der Wasserstoff-Herstellung und dem Transport wichtig sind. Wir nutzen unsere Erfahrungen und Technologieführerschaft und lassen diese schnell in die internationalen Normen einfließen. Für Deutschland als Exportnation ist das natürlich von großer Bedeutung.

Auf eine gute Akzeptanz neuer Technologien kann der VDE mit seinen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie den Fachgesellschaften hinwirken und bietet damit die richtige Plattform für Innovationen und den fachlichen Austausch. Als technisch-wissenschaftlicher Verband ist er der kompetente, aber neutrale Partner und Berater der Öffentlichkeit und der Politik.

Electrolyser with PEM system at the Voestalpine site in Linz (Press image. Copyright: Voesta electrolysis system at the Voelpine AG, Linz)

Welchen Stellenwert für das Wasserstoffbündnis aber auch für die Energiewende hat der „HYDROGEN DIALOGUE & NUEdialog“ am 18. November in Nürnberg?

Prof. Schnettler: Die breite Kommunikation von Best Practice-Beispielen in Deutschland, Europa und später auch global. Der Kongress bringt die richtigen Partner zusammen, um gemeinsam das Thema Wasserstoff voranzubringen. Wir setzen lokal um, denken aber natürlich global.

Welchen Output erhoffen Sie sich vom Kongress samt begleitender Fachausstellung?

Prof. Schnettler: Eine klare Botschaft an Politik und Öffentlichkeit, dass grüner Wasserstoff und die PEM-Elektrolyse einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten. Das Thema ist für Bayern, Deutschland und Europa wesentlich, um die gesteckten Ziele der nationalen Wasserstoffstrategie und des European Green Deal zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview

HYDROGEN DIALOGUE 2021

Speaker & Programm