„Zeit zu Handeln – jetzt die Weichen für Wasserstoff stellen“

Michael Riechel, Vorsitzender des Vorstandes, Thüga AG

Politik trödelt, Unternehmen brauchen Investitionssicherheit

Drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis Wind- und Solarstrom die Netzparität mit fossilen Brennstoffen erreicht haben. Wir können es uns nicht leisten, noch einmal eine solche Zeitspanne zu warten, bis grüner Wasserstoff die Preisparität mit Erdgas erreicht. Die Weichen für einen Markthochlauf für klimaneutralen Wasserstoff müssen jetzt gestellt werden. Und zwar schnell – die aktuelle Bundesregierung hat schon viel kostbare Zeit vertrödelt. Gas- und Wasserstoffnetze müssen als infrastrukturelle Einheit gedacht werden. Dringend nötig ist daher die Anpassung der Gasnetzregulierung für eine gemeinsame Regulierung und Finanzierung der Gas- und Wasserstoffnetze. Außerdem muss für eine stabile Nachfrage gesorgt werden, z.B. über eine verpflichtende Beimisch-Quote für klimaneutrales Gas und ein Grüngas-Ziel von beispielsweise 25% bis 2030. Die Branche hat viele gute Ideen, die Politik ist allerdings noch sehr zögerlich. Am Ende entscheiden Unternehmen über Investitionen, und diese brauchen Investitionssicherheit und langfristige Perspektiven (insbesondere EEG, REDII, EnWG). Gerade für Pilotprojekte ist Vertrauensschutz essenziell.

 

Bitte keine ideologischen Scheuklappen

Beim Klimaschutz sehen wir keinen Spielraum für ein Entweder-Oder und ideologische Scheuklappen. Wir müssen alle vorhandenen Optionen in die Waagschale werfen und sämtliche Möglichkeiten der Dekarbonisierung nutzen. Das heißt, Wasserstoff technologieoffen in allen Sektoren einzusetzen. Gerade im Wärmemarkt kann die Beimischung von Wasserstoff in die vorhandenen Gasnetze schnell und effizient Klimaschutz-Wirkung entfalten – immerhin 53 Prozent des Endenergieverbrauches gehen in den Wärmemarkt (2019). Die Nutzung der bestehenden Gasnetze ermöglicht eine sozialverträgliche Gestaltung der Wärmewende – Studien zeigen, dass für Haushaltskunden eine durch H2 ergänzte Umstellung des Wärmemarktes am günstigsten ist. Allein mit Effizienzsteigerung und Einsatz von Strom-Wärmepumpen ist die notwendige und politisch gewollte Klimaneutralität im Wärmemarkt nicht zu erreichen.

 

Gasnetze nicht weiterzuentwickeln wäre fahrlässig

Die Verteilnetze sind für H2-Beimischung geeignet, die notwendigen Anpassungsmaßnahmen überschaubar. Perspektivisch sind auch 100% Wasserstoff möglich. Wie die Transformation gelingen kann, zeigt das DVGW-Projekt „H2vorOrt“. Für Stadtwerke und Kommunen sind Gasnetze als vorhandene Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff wertvolle Anlagengüter. Diese müssen wir weiterentwickeln und zukunftsfest machen. Hierauf zu verzichten wäre fahrlässig. Nicht zuletzt deshalb, weil die Stadtwerke auch künftig noch einen wesentlichen Beitrag zu den Haushalten der Kommunen beitragen können müssen.

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